“Bei den über 80-Jährigen ist heute jeder fünfte von Demenz betroffen, bei den über 90-Jährigen jeder dritte.” (Gesundheitsmagazin ‘topfit’)

Das wird doch wohl noch gesagt werden dürfen: Israel - gesehen durch die verschmierte Brille von Günter Grass
Er hat noch Tinte auf dem Füller, sagt er, wenn es auch schon die “letzte” sei: Günter Grass, das alte Moralisten-Walross.
Und mit der Tinte will er nun “sein Schweigen” brechen. Aber nicht etwa darüber, wie es war bei der Waffen-SS, in der Panzer-Division „Frundsberg“, wo er sechs Monate diente. Oder darüber, wie man es schafft, sich selbst noch im Spiegel anzuschauen, wenn man jahrzehntelang Andere wegen ihrer Nazivergangenheit gerügt hat und dabei die eigene geheim hielt.
Nein, Günter Grass sorgt sich in seiner Gedichtattrappe “Was gesagt werden muss” um den Weltfrieden, und den gefährde seiner Ansicht nach vor allem einer: der Jude… äh… Israel. Das dürfe man doch wohl noch sagen.
Natürlich darf er das. Denn entgegen anderslautenden Behauptungen rechter wie linker Verschwörungstheoretiker gibt es kein Verbot, die israelische Politik zu kritisieren, nicht einmal ein Tabu. Es wird ständig getan, in Deutschland, in Europa, den USA und natürlich auch in Israel selbst.
Aber wenn sich ein Literat selbst zum Nahostexperten erklärt und um Kopf und Kragen faselt, dann bleibt das nicht unbeantwortet.
Peter Handke durfte schließlich auch Loblieder auf den seiner Ansicht nach “unschuldigen” Milosevic singen, muss jedoch jetzt damit leben, nicht mehr besonders Ernst genommen zu werden.
Grass’ Unterstellung, Israel plane einen atomaren Erstschlag und wolle die iranische Bevölkerung vernichten, entlarvt sich selbst als 180-Grad-Verdrehung der Tatsachen. Dabei hält er sich gar nicht mit Haarspaltereien auf, wie sie etwa bei Altlinken und Friedensbewegten üblich sind, die in meterlangen Abhandlungen darüber spekulieren, ob Ajmadinejads Aussage, er wolle Israel von der Landkarte tilgen, nicht doch ein Übersetzungsfehler sein könnte. Vielleicht hat er ja in Wirklichkeit nur Glückwünsche ausrichten wollen?
Grass macht es sich leichter: er vertauscht einfach Ross und Reiter.
Seit Ayatollah Khomeini 1979 zum ersten Mal den “Al-Quds-Tag” feiern ließ, ist die Forderung nach der Auslöschung des Judenstaates in Teheran zahlreich wiederholt worden. Der Hass auf Israel erfüllt hierbei dieselbe propagandistische Funktion, wie früher der Hass auf das “Weltjudentum”: er soll eine zerstrittene Fraktion beisammen halten, die die Widersprüche ihrer Ideologie nicht hinreichend erklären kann.
Aber für Grass ist Ajmadinejad lediglich ein “Maulheld”, um den man sich schon keine Sorgen machen müsse. Leider hat er damit absolut Unrecht.
Zur Seite springen dem Autor der Blechtrommel dieser Tage nur wenige. Johano Strasser jedoch, der Präsident der Schriftstellervereinigung “PEN-Zentrum”, ließ es sich nicht nehmen, ein paar Takte mitzutrommeln. Auch er warnte vor Waffenexporten nach Israel. Und der Präsident der Akademie der Künste, Klaus Staeck, “kann die ganze Aufregung nicht verstehen”, für ihn sind die Vorwürfe lediglich “reflexhafte Verurteilungen als Antisemit”.
Und schon wieder sehen wir die Sache von den Füßen auf den Kopf gedreht: Grass’ Pamphlet ist eine reflexhafte Verurteilung! Denn er schreibt nicht über den Konflikt von Pakistan und Indien, obwohl er sich angeblich doch so um den “Weltfrieden” sorgt. Er hat sich auch bisher nicht zu europäischen Waffenlieferungen an Saudi-Arabien geäußert.
Nein, wie beinahe alle Stammtisch-Demagogen, die finden, man müsse “das doch noch sagen dürfen”, ist er vollkommen auf Israel fixiert. Und ebenso wie die Antisemiten am linken und rechten Rand der Gesellschaft, sucht er Hände ringend nach Möglichkeiten, dem Land einen Willen zur “Vernichtung” nachzuweisen. Im Gegensatz zum Nahostkonflikt, dürfte Vernichtungswille zumindest ein Thema sein, mit dem sich der ehemalige SS-Angehörige auskennt.
“Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen”, sagte der israelische Psychoanalytiker Zvi Rex einmal, und brachte es damit auf den Punkt. Die eigenen Gewissensbisse wird man eben am einfachsten los, wenn man sie woanders hin projiziert, am besten gleich auf das Opfer. So wie früher die Juden Schuld am Judenhass waren, so ist Israel heute Schuld an seiner Bedrohung.
Dem kleinen Land am Mittelmeer, gerade mal so groß wie Hessen, werden heute dieselben Eigenschaften zugeschrieben, wie einst den “Weisen von Zion” und ihrer “jüdischen Weltverschwörung”, von der seit der Staatsgründung kaum noch direkt die Rede ist: seine Lobby kontrolliere die USA, manipuliere die Medien, stifte überall Krieg und Elend – und unterdrücke Leute, die “das doch mal sagen” wollen mit seiner geradezu mystischen Macht.
Stereotypisierung, Dämonisierung, Denunzierung – die Argumentationsmuster bleiben, nur ihr Objekt wird oberflächlich durch ein neues ersetzt, das das alte meint.
Gerade in Deutschland gelangen antisemitische Ressentiments auf dem Umweg über die Kritik am Judenstaat zunehmend wieder in die Mehrheitsgesellschaft. Laut einer Ende Januar veröffentlichten Studie, die sich auf eine Vielzahl von Untersuchungen stützt, sind heute 20 Prozent der Bevölkerung “latent” antisemitisch eingestellt.
Und sie werden angefeuert vom altersdementen Pseudo-Provokateur Grass, dem es bei allem Gerede von Weltfrieden immernoch nur um eine einzige Person geht: sich selbst. Schon, als er noch hauptberuflich als das sozialdemokratische Gewissen der Nachkriegs-BRD unterwegs war, sprach aus seinen Äußerungen vor allem Größenwahn, Anmaßung und Selbstgefälligkeit.
Man kann fast von Glück reden, dass er sich nun in seinen späten Lebensjahren nochmal selbst gehörig an den Grabstein pisst, so verschwindet sein seit Jahrzehnten erhobener Zeigefinger zumindest ein wenig aus der Öffentlichkeit.
Es ist wohl auch nicht davon auszugehen, dass Grass’ Tinte wirklich schon alle ist, und wohl nur eine Frage der Zeit, bis er zielsicher den nächsten Fettnapf trifft. Das wird er ja wohl noch dürfen.












